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Datum:
28. Mai 2022

Kirche/Sprache


Kritik an blutleerer Sprache der Kirche


Die Bibel ist voll von herrlichen Sprachbildern und treffenden Begriffen. Doch die Sprache der Kirche sei häufig verschwurbelt und blutleer, kritisierten Experten am Samstag auf dem Katholikentag.

SWR-Intendant Kai Gniffke hat der katholischen Kirche eine unverständliche und blutleere Sprache vorgeworfen. Es fehle zudem immer noch eine klare Haltung in vielen Fragen, sagte er am Samstag beim Katholikentag in Stuttgart. Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt sprach Gniffke von „Argumentation mit angezogener Handbremse“.

Auch Medienbischof Reinhard Kardinal Marx kritisierte eine oft „verschwurbelte“ Sprache der Kirche. Es sei wichtig, bei Predigten ebenso wie über sexualisierte Gewalt klar zu sprechen. Deutlich kritisierte der Medienbischof die Sprache vieler vatikanischer Dokumente. So sei das Nein aus Rom zur Segnung homosexueller Paare im Frühjahr 2021"nicht nur theologisch dürftig, sondern auch in der Sprache abwegig" gewesen, so Marx.

Die Publizistin Beatrice von Weizsäcker verglich katholische und evangelische kirchliche Kommunikation. Bei innerkirchlichen Fragen seien die Protestanten viel frecher, offener und direkter. In der katholischen Kirche trauten sich viele wegen der Hierarchie weniger. „In der katholischen Kirche wird sehr viel konsensbezogen gesprochen, wo der Konsens nicht da ist“, so von Weizsäcker. Weiter sagte sie: „Es macht den Anschein, etwas glatt zu bügeln, was eigentlich nicht glatt ist.“ Sie machte sich außerdem für mehr Social-Media-Arbeit in der Kirche stark, um junge Menschen nicht links liegen zu lassen.

Gniffke ergänzte mit Verweis auf männliche und zumeist ältere Amtsträger, die katholische Kirche habe in ihrer Kommunikation außerdem ein „Riesenproblem“, da nur eine Hälfte der Kirchenmitglieder spreche. Beim Podium „Von der Sprachlosigkeit zu neuer Sprachfähigkeit: Wie kann die Kirche ihre Botschaft (mit-)teilen?“ kritisierte er, dass in der Kirche wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen die Sprache immer glatter werde. Da der kleinste Fehler bestraft werde, gebe es zu wenige, die sprachlich auch mal ins Risiko gingen, so der Medienmann. Es brauche in allen Bereichen authentische Typen.

Buchautor Philipp Gessler („Phrase unser. Die blutleere Sprache der Kirche“) forderte ebenfalls eine klare, offene und unverstellte Sprache. Die Kirche habe eine eigene Binnensprache entwickelt. Sie sei geprägt von einem "sozialpädagogischem Duktus“ und von Begriffen wie "Achtsamkeit und anderem Sprachnebel", in dem alles irgendwie "spannend", "kostbar" oder "wertvoll" sei. Die Kirchen sollten mehr Vertrauen in die starken Worte der Bibel haben, riet der Journalist.


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