Leitwort

Jeder Katholikentag steht unter einem Leitwort. Es wird von der Katholikentagsleitung  beschlossen. An ihm orientieren sich die Veranstaltungen des Katholikentags.

Der 101. Deutsche Katholikentag in Münster 2018 steht unter dem Leitwort „Suche Frieden" aus dem Psalm 34. Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Uni Bochum, hat sich über die biblischen Grundlagen des Textes Gedanken gemacht.  

Wer sucht den Frieden?

„Man stelle sich vor, an einem Schwarzen Brett in einem Institut der Universität Münster ist ein Zettel angepinnt, auf dem steht „Suche Frieden“  - neben anderen Zetteln mit „Suche WG“ oder „Suche Job während der Semesterferien“. Wer könnte diesen Zettel „Suche Frieden“ geschrieben haben?“, fragt Thomas Söding - und gibt verschiedene Antworten. Von der aus Syrien geflüchteten Frau bis zum Langzeitstudenten, der alle Hoffnung verloren hat. 

Das Leitwort des Katholikentages in Münster ist für Thomas Söding so „Imperativ und Hilferuf“ – und brandaktuell.  Es gebe derzeit kein wichtigeres Thema in der öffentlichen Debatte über Religion als das Problem der Gewalt, schreibt  Söding – und Münster biete sich als Ort des Friedensschlusses nach dem Dreißigjährigen Krieg – neben Osnabrück – sehr gut an, diese Diskussion zu führen. 

Jeder Mensch sehne sich nach Frieden. Seit Jahrtausenden und in vielen Kulturen sei die denkbar kürzeste Formel für einen Willkommensgruß der Friedensgruß: „Pax – Shalom – Salam. In der Bibel begegnet einem keine Formulierung so oft wie „Der Friede sei mit Dir“ oder „Der Friede sei mit Euch“, so Söding. 

Frieden mit Gott und Frieden mit der Welt 

Der Psalm 34, aus dem das Leitwort stammt, wird David zugeschrieben: „Meide das Böse und tu das Gute; suche Frieden und jage ihm nach“. Er werde auch an anderen Stellen der Bibel zitiert. Wie im Ersten Petrusbrief, wo er eine Kirche ermutigen soll, die sich vielfacher Ablehnung ausgesetzt sieht. (1 Petr 3,11). 

Aus beiden Textstellen folgert Thomas Söding: „Der Psalm macht Hoffnung, dass Frieden keine Illusion, sondern eine Möglichkeit, ein Versprechen, ein Geschenk, eine Aufgabe ist. Der Brief tritt dafür ein, dass die Kirche ihre Berufung erkennt, eine Friedenszone zu sein und eine  Friedensmission zu starten.“  Es gehe in beiden Textstellen darum, Frieden mit Gott, Frieden mit anderen und Frieden mit sich selbst zu schließen. Der Katholikentag  müsse Friedensstifter bestärken, aber auch Fragen an die Friedensideale stellen: „Welche Kriege müssen beendet sein? Welche Friedenspläne können geschmiedet werden? Wer ist auf der Suche nach Frieden?“ 

Gleichzeitig habe der Katholikentag  die Chance, das „Suche Frieden“ als christliches Programmwort zu veranschaulichen. Der Bibel zufolge sei „die Suche nach Frieden die Suche nach Gott – und umgekehrt“, schreibt Thomas Söding. „Die Herausforderung heute ist es, die Suche stark zu machen, die desto intensiver wird, je tiefer der Friede Gottes gespürt wird.“ 

Den gesamten Text von Thomas Söding  gibt es hier zum Download.   

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