Münster, du bleibst!

Katholikentag kulinarisch – ein Abschied

Diskutieren, entdecken, erfahren, beten. So ein Katholikentag kann ganz schön anstrengend sein. In seiner täglichen Kolumne kümmert sich Peter Hummel um das leibliche Wohl in Münster

"Cum laude" ("Mit Lob")

Soll ich Ihnen was sagen? Ich habe Münster in den vergangenen Tagen in mein Herz geschlossen und finde, dass die westfälische Lebensart zum Weltkulturerbe erhoben werden sollte. Die Allgäuer natürlich aber, aber das können wir beim nächsten Katholikentag im Allgäu besprechen. Nein, Münster bietet all das, was einen, der gern isst und trinkt, von einem "gelobten Land" sprechen lässt. In den Restaurants wird nicht lang rum gemacht mit Gruß aus der Küche, aufgeschäumter Spargelluft und glasierten Pangasiusflossen, sondern der Teller kommt auf den Tisch, ist voll mit Fleisch, Wurst, Kartoffeln, Kraut und einem halben Salatblatt und wer ihn aufisst, hat seine Tagesration Kalorien bereits zu sich genommen. Um auch Frühstück und Abendessen und die Stippmilch zwischendurch zu kompensieren, radelt der Münsteraner im Höchsttempo auf roten Streifen durch seine Stadt. Gut, das mit dem Fahrradfahren wird bei uns im Allgäu etwas schwieriger. Außerdem: Wenn wir radeln, dann klingeln wir und bremsen zur Sicherheit auch, während in Münster nur geklingelt wird.

Viele von Ihnen werde schöne Erinnerungen von diesem wundervollen Katholikentag mit nach Hause nehmen, Inspirationen, Gedanken daran, wie gut ein westfälisches Schinkenbrot schmeckt, wenn man im Schatten des Doms darauf wartet, den Herrn zu preisen. Ich habe mir einen Stück Schinken auf dem Münsteraner Wochenmarkt gekauft und dabei erfahren, dass das Schwein, von dem er stammt, in einer glücklichen Umgebung gleich draußen vor der Stadt aufgewachsen ist. So werde ich also die nächsten Tage bei jedem Stück, das ich meine Zunge kitzeln lasse, mit Wonne daran denken, dass glückliche Menschen und glückliche Schweine irgendwie zusammen gehören. Bei uns im Allgäu ist das mit den Allgäuern und den Kühen übrigens ganz ähnlich.

So fahre ich an diesem Sonntag fast ein bisschen wehmütig heim in den Süden und werde meinen Lieben drei Geschichten erzählen. Eine ist die von Lasse, der Schweine streichelt, eine von Margit, die das schönste Pils der Stadt zapft und eine von Lina, die mir keck ein Petersilienblatt auf eine gebratene Blutwurst gelegt hat und versicherte, dass sie die Wurst mit den eigenen Händen gerührt habe. Na, Mahlzeit!

„Du hast gegessen und getrunken“, werden sie zu Hause sagen. „Und hast Du auch gebetet?“, werden sie fragen. Liebe Freunde, ist nicht unser Dasein als Menschen guten Willens ein einziges Gebet? Und beten wir besser, wenn wir uns mit Dinkelkeksen und hellgrünem Tee quälen?
Es war mir eine Ehre.
Oder wie wir im Allgäu sagen: Pfiat di Münster und bis bald auf einen katholischen Schlag Kässpatzen!

Peter Hummel ist Mitarbeiter in der Multimediaredaktion des Katholikentags, Studienleiter an der Katholischen Journalistenschule ifp (www.journalistenschule-ifp.de ) und Ressortleiter Genuss beim PLUS-Magazin (www.plus-magazin.de)

Foto: katholikentag.de / Peter Hummel

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