Eis für alle

Katholikentag kulinarisch – Teil 4

Katholikentag kulinarisch – Teil 4

Eis für alle

Diskutieren, entdecken, erfahren, beten. So ein Katholikentag kann ganz schön anstrengend sein. In seiner täglichen Kolumne kümmert sich Peter Hummel um das leibliche Wohl in Münster

"Dulce etiam fugias, fieri quod amarum potest!" ("Auch Süßes meide, weil es bitter werden kann!")

Am heutigen Festtag des Heiligen Pankratius, einem Eisheiligen, drängt sich eine Frage hier in Münster geradezu auf: Welche Eissorten schlecken Katholiken am liebsten? Die Antwort ist gar nicht so einfach, denn unterschiedliche Katholiken haben unterschiedliche Geschmäcker. Da sind zum einen die Papsttreuen, die Mango mit Zitrone kombinieren, also gelb und weiß, die Farben des Heiligen Stuhls. Verfechter der Kreuze in bayerischen Behörden nehmen zwei mal Vanille, weil das schon immer so war. Frauenbund-Aktivistinnen naschen Klerikern das Schlumpfeis weg, woraufhin sich die Kleriker nicht zwischen der konservativen Erdbeere und dem progressiven Joghurt-Goji-Eis entscheiden können. Caritas-Mitarbeiter nehmen aus Mitleid eine Kugel Zimt, weil davon immer am meisten übrig bleibt. Und Verfasser von Briefen nach Rom fragen nach, ob es neben Stracciatella in schwarz-weiß auch kalten Kaffee gibt. Gar kein Eis kaufen übrigens Katholiken, die der AfD nahe stehen, weil sie Haselnuss nehmen müssten, damit aber in den Verdacht geraten könnten, Haselnussbauern in Nordafrika zu unterstützen.

Glücklich all wir gewöhnlichen Gläubigen, die gänzlich unbeschwert wählen können und den Schöpfer dafür loben, dass er Bananen und Kirschen und Mandarinen und all die anderen Früchte in seinem Garten Eden erschaffen hat. Dass er dabei einen genauen Genuss-Plan hatte, zeigt schon die Tatsache, dass aus dem Apfel, dem Symbol der Sünde, nirgendwo auf der Welt ein schmackhaftes Eis gemacht werden kann, nicht mal für Fußgänger, die in Münster auf Fahrradwegen stehen.

Auffallend ist, dass es in der schönen Stadt am Aasee relativ wenig richtige Eisdielen gibt, nämlich nur drei im Zentrum, dafür aber Duzende Restaurants, in denen Bratkartoffeln auf der Karte stehen – und somit sind wir bei einem meiner Lieblings-Münster-Themen. Bratkartoffeln sind hier so beliebt wie Spätzle in Schwaben und Salatteller mit Tofu-Topping in Berlin Prenzlauer Berg. Und sie sind lecker obendrein, weil sie eben nicht so blass und speckfrei auf dem Teller liegen wie im Rest der Republik, sondern mit schöner Kruste und Biss.

Nun möchte ich die Bratkartoffel nicht auch noch mit unserer katholischen Kirche vergleichen, aber es gibt wirklich Parallelen, vor allem zu den Reformbemühungen:
Eine Bratkartoffel wird dann besonders gut, wenn sie zuvor heiß gekocht wurde, dann abkühlt, sich in Kleingruppen aufteilt, von unten erhitzt und von oben abgeschmeckt wird, ehe sie als Beilage auf den Teller kommt, um nach und nach zerkaut zu werden. Kommt uns doch bekannt vor, oder? Ich gönne mir an diesem letzten Katholikentagsabend trotzdem eine ordentliche Portion davon und lade Sie ebenfalls dazu ein. Frieden suchen hat auch damit zu tun, dem Bratkartoffel-Reform-Mysterium weiterhin eine Chance auf einen Nachschlag zu geben. Lasst uns das Rezept von Münster in die Welt hinaus tragen! 

Morgen geht’s an dieser Stelle zum Abschluss um ein köstliches Mitbringsel und darum, warum der nächste Katholikentag eigentlich nur im Allgäu stattfinden kann.

Peter Hummel ist Mitarbeiter in der Multimediaredaktion des Katholikentags, Studienleiter an der Katholischen Journalistenschule ifp (www.journalistenschule-ifp.de ) und Ressortleiter Genuss beim PLUS-Magazin (www.plus-magazin.de)

Foto: katholikentag.de / Peter Hummel

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