#Gretchenfrage für alle Parteien

Politik und Religion

Erstmals ist die AfD beim Katholikentag vertreten: Bei dem Podium "Nun sag, wie hältst du es mit der Religion?" ging es am Samstag hoch her.

Es ist ein buntes Volk, bestehend aus hunderten Wartenden: Die Frau im gelben Helfer-T-Shirt, der ältere Mann mit Hornbrille neben der jungen Frau mit Dreadlocks im Congress Saal der MCC-Halle. Sie alle wollen bei der Podiumsdiskussion am Samstagmittag hören, wie es die sechs Bundestagsparteien so halten mit der Religion.

Gesprächsfetzen fliegen durch die Luft, grüne und rote Karten werden weitergereicht. Das Gemurmel verstummt, der Spot schweift zur Bühne, auf der die sechs kirchenpolitischen Sprecher der Bundestagsparteien Platz nehmen. "Wir wollen heute miteinander sprechen", leitet Moderator Thomas Arnold, der Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, die Podiumsdiskussion ein. Doch sobald die Worte von Thomas Münz (AfD) im Video-Einspieler durch die Halle klingen, ertönen laute Pfiffe und Demonstranten rennen mit den Rufen "Kein Friede mit der AFD" auf die Bühne zu.

Während Thomas Arnold die Aufgesprungenen respektvoll aber bestimmt bittet, die Bühne zu verlassen, reagiert der Rest des Publikums nach einer kurzen Stille mit lautem Klatschen, dass sich gegen die Störer richtet. Sie wollen, dass das Podium der sechs Parteien weiter geht, keine aggressionsgeladenen Demonstrationen auf dem Katholikentag. "Wir haben ja eine Möglichkeit unsere Meinung zum Ausdruck zu bringen", betont ein Mitglied des Helferteams und schwingt seine rote Karte.

Das Publikum gönnt dem AfD-Vertreter auf dem Podium die Opferrolle offensichtlich nicht und ist auch nicht ausschließlich an seinen Erklärungen interessiert, wie sich das Parteiprogramm der AfD und das christliche Menschenbild miteinander vereinbaren lassen. Auch die Positionen der Vertreter der anderen Parteien will das Publikum hören. Mit den Worten "Wir müssen nicht ausschließlich mit der AfD reden" verdeutlichte Kerstin Griese (SPD), dass der AFD heute keine Sonderrolle zukommen wird. Stattdessen geht es um religiöse Vielfalt, um Religionsfreiheit.

Genau wie die Vertreter der Parteien hat auch das Publikum ganz unterschiedliche Antworten, wie sich in dem grünen und roten Farbspektrum der hochgehaltenen Karten zeigt. Fragen können mit dem Hashtag #gretchenfrage über die sozialen Netzwerke direkt auf die Bühne geschickt werden. Wie ist mit Blick auf christliche Werte mit dem Islam umzugehen? Und wie blicken die Politiker mit diesen Werten auf die Flüchtlingsfrage? Von Toleranz einer multireligiösen Gesellschaft, bis zur Befürwortung des Kopftuchverbotes bekommt das Publikum alle parteipolitischen Sichtweisen dargeboten.

Unzählige grüne Karten erntet Kerstin Griese mit der Aussage "Die Kirche hätte ihre Aufgabe nicht getan, wenn sie nicht Jesu folgen würden, um sich für die Menschen einzusetzen, die Hilfe brauchen". Für ein Schmunzeln sorgt Christian Hirte (CDU), als er sich bei der Frage nach der Kreuzdebatte zuerst einmal von der CSU distanzierte. Der Vorschlag von Kerstin Griese, man solle Herrn Söder erklären, dass Jesus ein Jude war, der im Orient aufgewachsen sei, sorgt für schallendes Gelächter in der Halle.

Thomas Arnold entlässt das Publikum mit einer Botschaft zum Ende der Diskussion: Die eigene Meinung darf man deutlich sagen, den Menschen gegenüber muss man dabei im Blick behalten.

Von Luisa Gruber

 

Foto: Katholikentag / Benedikt Plesker

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