Alles Wurst

Katholikentag kulinarisch – Teil 3

Katholikentag kulinarisch – Teil 3

Alles Wurst

Diskutieren, entdecken, erfahren, beten. So ein Katholikentag kann ganz schön anstrengend sein. In seiner täglichen Kolumne kümmert sich Peter Hummel um das leibliche Wohl in Münster

"Tempora mutantur, et nos mutamur in illis." ("Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen")

Freitage sind ja eigentlich Fasttage, wobei es sicher im katholischen Kirchenrecht eine Fußnote gibt, dass Teilnehmer von Katholikentagen davon befreit sind, in der Ferne zwischen Fleisch- und Fischgerichten zu selektieren. Insofern haben am heutigen Freitag alle Nahrungsmittelstände in Münster ganz normal geöffnet und wer eine Bratwurst bestellt, muss nirgendwo seine Religionszugehörigkeit nachweisen. Deshalb lade ich Sie ein, diesen Tag zu genießen und bei einem schlechten Gewissen einfach nächsten Freitag den Sahnedip zum Brathering mit Sojamilch anzurühren, was wirklich ein Opfer ist.

Viele Besucherinnen und Besucher des Katholikentags jagen bekanntlich von Morgenimpuls zu Mittagsinspiration und Abendinitiative, weswegen die kulinarischen Gelüste den geistlichen untergeordnet werden. Um bei dieser Ernährungshatz zumindest einen symbolischen weltkirchlichen Impuls zu setzen, greifen sie zur Asia-Nudelbox für die Christen in China, zum Döner für Syrien, zum Burger gegen Trump und zum Mettbrötchen für die Katholiken im Erzbistum Köln. „Wir beißen uns an den Konflikten der Welt die Zähne aus“, sagt die 45-jährige Johanna aus Dresden und schält eine Banane für all jene, die auf krumme Wege geraten sind.

Ich selbst bin ein Freund der Bratwurst, wenngleich die Katholikentags-Variante allenfalls mit der auf dem Fußballplatz von Gotha-Sundhausen vergleichbar ist, wo früher die nicht verkauften Thüringer beim nächsten Heimspiel 14 Tage später erneut auf den Grill kamen. Wenn der Verzehr dieser trockenen Schlossplatz-Schweinswurst irgendein Schweinehoszpiz in einem abgefallenen Benediktinerkloster unterstützt, dann soll es mir recht sein. Sehr zu empfehlen sind dagegen – den Feuerzungen sei Dank – der Flammkuchen mit Speck und die Currywurst in der Version „höllisch scharf“ auf dem Platz vor der Münsterlandhalle. Verkosten Sie, was immer Sie können, denn in der Zukunft, in der für Vegetarier jeden Tag Freitag und für Veganer täglich Aschermittwoch ist, wird man sich für ein westfälisches Schinkenbrot zum Frühstück noch vor dem Hochamt versündigen müssen.

Morgen, zum Namenstag des Heiligen Pankratius, geht’s an dieser Stelle um um eine Münsteraner Eisspezialität und um ein kulinarisches Heiligtum.

Peter Hummel ist Mitarbeiter in der Multimediaredaktion des Katholikentags, Studienleiter an der Katholischen Journalistenschule ifp (www.journalistenschule-ifp.de ) und Ressortleiter Genuss beim PLUS-Magazin (www.plus-magazin.de)

Foto: katholikentag.de / Peter Hummel

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