Liturgie, die überschwappt

Reportage über die Band "effata"

Eine Reportage über die Band "effata" von Luisa Gruber

Während die Sonne erste Versuche unternimmt, sich durch die Regenwolken der letzten Nacht zu kämpfen, ziehen erste leise Klaviertöne die Katholikentagsbesucher zur Bühne am Domplatz. Die fleißigen Helfer bauen den Altar für den Kinder- und Familiengottesdienst auf, Priester besprechen den Ablauf und Tontechniker probieren erste Soundchecks. Mitten in dem Gewusel aus Kabelgewirr und Taschenbergen singt eine Frau mit stufigem Kurzhaarschnitt erste Töne ins Mikro, während ihre Füße in den braunen Stiefeln mit roten Herzen an der Seite im Takt wippen. Katja Orthues und Anselm Thissen, der mit einer lässigen Sonnenbrille auf dem Kopf neben ihr am Keyboard steht, sind der Kern der achtköpfigen Band "effata", die das Lied "Suche Frieden" zum Katholikentag komponiert haben.

Mit den Worten "Wir begrüßen Lasse, frisch aus dem Bett" und einem herzlichem Schulterklopfen heißt Anselm seine restlichen Bandkollegen auf der Bühne willkommen. Zwischen den Soundchecks und letzten Absprachen, muss er die Bühne immer wieder verlassen, um Telefonate zu führen und Termine zu koordinieren. Er ist der musikalische Leiter der gleichnamigen Jugendkirche effata und wie die anderen Mitglieder ist auch er nur ehrenamtlich tätig. "Ich bin da ein Junkie, ich liebe diese Aufgaben." Die Band ist ein großer Freundeskreis, die den Spaß an der Musik teilt und jungen Menschen die Liturgie verständlich und lebensnah vermitteln will. "Bei vielen Liedern denken wir auch einfach mal kirchenfern und erwähnen das Wort Gott nicht explizit. Menschen, die glauben, können Gott in den Texten sowieso wiederfinden", meint Anselm. Mit Jugendlichen verständliche, rhythmische Lieder zu singen, so dass sie Spaß am Gottesdienst haben, sieht er als seine Mission. Wichtig ist den Musikern vor allem, eine Gemeinschaft zu schaffen und ihre Zuhörer zu berühren. "Wir wollen kein Konzert geben, sondern die Menschen zum Mitmachen animieren", betont Anselm. 

Das schaffte die Band durch die direkte Interaktion mit dem Publikum – auch beim Familien- und Kindergottesdienst. Nach einem "Daumen-Hoch" Zeichen, begleitet von einem "ich freu mich" an die Kollegen eröffnete die Band den Gottesdienst.  Besonders bei den Liedern "Unter einem großen Himmel" und "Suche Frieden" schallen die Stimmen der über 3.000 Besucher, die mitsingen, klatschen und tanzen,  zurück auf die Bühne. "Die Stimmung ist übergeschwappt", schwärmt Katja.

Über acht Stunden am Stück hat die Band für ihre insgesamt elf Auftritte am Katholikentag geprobt. Vom Studenten bis zum Bildredakteur ist die Besetzung der Kombo bunt gemischt. "Vielfältigkeit in der Kirche sollte man nicht nur anpreisen, sondern auch leben", bestätigt Gitarrist Florian Bernhardt. Die Lieder schreiben Anselm und Katja überwiegend selbst. Biographische und aktuelle Themen lassen die beiden einfließen. Für das Katholikentags-Friedenslied nahmen sie den inneren Frieden als Leitmotiv. "Jeder kann erst für Frieden sorgen, wenn er seinen eigenen Frieden hat. Dann erst kann man ihn weitergeben", beschreibt Anselm seine eigenen Erfahrungen, die er im Kleinen zu Hause gesammelt und im Liedtext verarbeitet hat. Trotzdem konnte sich Florian erst während einer Tour durch das Bistum Münster von der Begeisterung des Publikums anstecken lassen. Drei verschiedene Versionen wurden anfangs in den sonntäglichen Gottesdiensten ausprobiert, bis die endgültige Version feststand. Wichtig ist den Komponisten in jedem Lied, eher Fragen zu stellen, als Aussagen zu treffen. 

Dieses Konzept ist für die effata Jugendkirche charakteristisch, in der die Band am Abend eine liturgische Revue feiert. Auf die hohen, weißen Wände der Kirche werden bunte Schnecken und Kreis- und Wellenmuster projiziert, während "effata" zusammen mit den vielen Menschen, die beinahe alle Kirchenbänke und Stühle füllen, erste Lieder anstimmt. Vor den Musikern lodert das Friedenslicht aus Bethlehem, hinter ihnen steht eine weiße Leinwand, auf der zu Anfang ein Video mit den Texten von Andreas Bourani erscheint.  Über ihnen ist ein Schild mit der Frage "Wo bist du" gespannt. An diesem Abend werden unter anderem Denkanstöße aus deutschen Filmen und Poetry Slams präsentiert, gepaart mit Worten und Lieder, die alle verstehen. Auch die Band selbst gibt dabei Impulse, indem sie bis zum Schluss Pullis und T- Shirts mit der Aufschrift "Hoffnungssucher" trägt. Ein Begriff aus dem Friedenslied, der den Auftrag enthält, nicht stehen zu bleiben, denn: "Wir suchen alle nach Frieden", meint Katja.

Foto: katholikentag.de / Luisa Gruber

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