Engagement gegen Nationalismen

Großes Podium mit dem Bundespräsidenten

Großes Podium mit dem Bundespräsidenten

Engagement gegen Nationalismen

Bericht zum Podium mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von Carolin Hasenauer

Schon über eine Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion am Donnerstagmittag auf dem 101. Katholikentag, waren viele hundert Menschen zur Halle Münsterland gekommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Politikwissenschaftler Herfried Münkler sprachen über Perspektiven zum Thema "Frieden durch internationale Kooperation als Antwort auf neue Nationalismen". Die ZDF-Redakteurin Bettina Schausten moderierte die Veranstaltung.

Welt aus den Fugen

Wie schon bei der Eröffnungsfeier am Mittwochabend betonte Steinmeier, dass das Thema des 101. Katholikentags "Suche Frieden" so aktuell wie nie sei. Seitdem im Jahr 1990 der Ost-West-Konflikt geschlichtet wurde, verlagerten sich die Konflikte und Kriege in die Peripherie, sie fänden nicht mehr überschaubar in Europa statt. Die Patt-Situation des Kalten Krieges habe ein gewisses Maß an Kalkulierbarkeit geboten.

Im Fokus der ersten halben Stunde stand die Kündigung des Iran-Abkommens durch US-Präsident Donald Trump. "Ein großes Problem ist vor allem, dass die USA lange Zeit die Rolle des Hüters inne hatten und sie unter Trump nun ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt rücken wollen", erklärte Münkler. Die bisherige Ordnung zerbreche also und man müsse sich fragen: Was passiert? Wer tritt an die Stelle der USA, des Hüters? Braucht es das? "Wir gehen in eine Welt, in der nicht nur die Welt aus den Fugen ist, sondern die gefugten Gebälke aneinander reiben."

Europäischer Zusammenhalt

Steinmeier jedoch sprach sich deutlich gegen eine zu starke Fixierung auf die US-Politik aus: "Ich würde raten, dass wir unsere komplette Zukunft nicht von der gegenwärtigen amerikanischen Administration ableiten. Vielmehr müssen wir internationale, kooperative Gespräche führen." Das Publikum applaudierte. Als wirtschaftlich starkes Land habe Deutschland eine Verantwortung in der Welt. "Das heißt nicht direkt: Auslandseinsatz. Trotzdem müssen wir manchmal eingreifen."

Auf den europäischen Zusammenhalt legten sowohl Steinmeier als auch Münkler einen weiteren Schwerpunkt. Internationale Kooperationen seien eine "Antwort auf neue Nationalismen", wie es im Titel des Podiums hieß. Münkler betonte, dass Trumps Präsidentschaft als Weckruf gesehen werden könne und der Brexit neue Möglichkeiten eröffne.

Vertrauen durch Antworten

Auch innerdeutschen Nationalismen waren Thema. "Wir haben gewisse Parteien, die so tun als hätten sie Antworten auf schwierigste Fragestellungen unserer Zeit", sagte der Bundespräsident. Das sei kein Schicksal, dem Deutschland zum Opfer gefallen sei. Die etablierten Parteien müssten das Vertrauen der Bevölkerung zurück gewinnen, indem sie keine Fragen offen ließen.

Münkler betrachtete diesen Aspekt aus einer philosophischen Perspektive: "Die Aufgabe der Parteien ist es, Angst in Furcht zu verwandeln." Furcht sei zielgerichtet und ihre Ursachen daher zu bearbeiten. Angst hingegen sei politisch nicht bearbeitbar.

Ein dritter Schwerpunkt der Diskussion lag beim sinkenden bis fehlenden sozialen und politischen Engagement vieler Bürger. Nationalismen könnten sich etablieren, weil es kaum noch Menschen gibt, die sich auf kommunalpolitischer Ebene engagieren. Gründe dafür seien unter anderem veränderte soziale und berufliche Strukturen, erklärte Münkler: "Die Menschen haben etwa durch das Pendeln weniger Zeit zur Verfügung, die sie früher in das Gemeinwesen investiert haben."

Engagement im Kleinen

Während der Veranstaltung sammelten Helfer Fragen aus dem Publikum, die zusammengefasst gegen Ende der Diskussion gestellt wurden. Viele junge Leute wollten wissen, wie man sich in der von Globalisierung geprägten Gesellschaft einbringen könne. Um Nationalismen zu verhindern und die internationale Kooperation zu fördern, solle man mit kleinen Projekten beginnen, empfahlen Steinmeier und Münkler. "Ich empfehle, die Welt im Hinterkopf zu behalten, aber überschaubare Aufgaben anzugehen", sagte Münkler. Dem stimmte auch Steinmeier zu und schloss mit den Worten: "Mein Rat an alle Jugendlichen: Versucht, im Kleinen etwas zu bewegen."

Fotos: Katholikentag / Carolin Hasenauer

Diese Seite teilen