Prost, Münster!

Katholikentag kulinarisch – Teil 2

Katholikentag kulinarisch – Teil 2

Prost, Münster!

Diskutieren, entdecken, erfahren, beten. So ein Katholikentag kann ganz schön anstrengend sein. In seiner täglichen Kolumne kümmert sich Peter Hummel um das leibliche Wohl in Münster

"Qui bene bibit, bene vivit. Qui bene vivit, in caelum venit." ("Wer gut trinkt, lebt gut. Wer gut lebt, kommt in den Himmel")

Es gibt eine einigermaßen unsinnige Regel in Münster, dass man vor 11 Uhr kein Bier trinkt. Wer auch immer dieses Gebot erlassen hat, für jemand aus Bayern stellt sich natürlich die Frage, mit was die Leute zwischen dem Morgenkaffee und dem Mittagessen ihren Durst stillen. Zumal auf dem Katholikentag, wo die Sonne scheint, alle in Bewegung sind und auf vielen Veranstaltungen von katholischer Lebenslust die Rede ist.

Tatsächlich gibt es in der Stadt des Katholikentags gutes Bier, was wohl daran liegt, dass Köln 140 und Düsseldorf 115 Kilometer entfernt ist. Besonders süffig ist das „Spezial“ der örtlichen Brauerei Pinkus, das ausgezeichnet gut zu Himmel und Erde passt, einem westfälischen Gericht mit Blutwurst, Püree, Apfelmus und gerösteten Zwiebeln. Wer keine Blutwurst mag, kann gern nur das Fruchtkompott essen, um festzustellen, dass dazu nunmal kein Apfelschorle passt. Man lutscht ja auch kein Fischerman’s Friend zu Pfefferminzeis. 

Wichtig beim Genuss eines Pinkus Spezial ist, das Glas nach dem Anstoßen kurz gen Himmel zu heben, denn die Brauerei ist sehr katholisch. So nehmen es die Inhaber mit der Sonn- und Feiertagsruhe derart genau, dass sie ihr Gasthaus in der Kreuzstraße immer und auch während des Katholikentags sowohl an Christi Himmelfahrt als auch am Abschlusstag geschlossen haben. Alle Bemühungen, einmal in 100 Jahren eine Ausnahme zu machen, prallten an den Wirtsleuten ab. Ungefähr so, als käme jemand auf die Idee, an Heiligabend um 18 Uhr den Zoo von Münster zu öffnen. 

Ich mag es ja, wenn jemand Prinzipien hat. Deshalb akzeptiere ich es auch, wenngleich verwundert, dass bis heute unwidersprochen in der Bibel zwar jede Menge Wein getrunken wird, aber kein Bier. Ich bin kein Exeget, nur soviel: Schauen Sie sich mal die Zutatenliste von Bier an. Wasser, Hopfen, Malz. Und die von Wein: Wasser, Traubensaft, Enzyme, Tannin, Bentonit, Kasein, Ovalbumin und und und. Ich bin mir sicher: Jesus wäre heute ein Biertrinker und auf der Hochzeit zu Kanaa gäbe es zuerst ein abgestandenes Kölsch und später jede Menge Pinkus. 

Morgen geht’s an dieser Stelle um das beste Katholikentags-Fastfood und die Frage: Hat Pfefferpotthast (unbedingt probieren!) was mit einem scharfen Topf in Eile zu tun? 

Peter Hummel ist Mitarbeiter in der Multimediaredaktion des Katholikentags, Studienleiter an der Katholischen Journalistenschule ifp (www.journalistenschule-ifp.de ) und Ressortleiter Genuss beim PLUS-Magazin (www.plus-magazin.de)

Foto: katholikentag.de / Peter Hummel

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