"Die Wahrheit heilt Wunden"

Podium mit Juan Manuel Santos

Podium mit Juan Manuel Santos

"Die Wahrheit heilt Wunden"

von Silja Perterer, Claudia Leimser, Alena Riha und Lena Höckerschmidt

Ein weiteres Highlight am Donnerstag des Katholikentags war der Besuch des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos, der 2016 den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um den Friedensprozess in Kolumbien erhielt. Rund 2.000 Teilnehmende hörten ihm bei dem nachmittäglichen Podium in der Halle Münsterland gespannt zu.

Er zeigte sich optimistisch für den schwierigen Friedensprozess in seinem Land. Auch die Rebellen würden die Vorteile des Friedens erkennen, sagte der Friedensnobelpreisträger. 

Der ehemalige Verteidigungsminister setzt sich vor allem für die Opfer des jahrelangen Krieges ein und kämpft für deren Recht auf die Wahrheit. Bereits seit 2012 gebe es in dem Land ein Opferentschädigungsgesetz. 800.000 Menschen hätten bereits Entschädigungszahlungen erhalten; allerdings seien insgesamt 8,5 Millionen Menschen als Opfer registriert worden.

Seine Regierung habe ein Lehrfach Frieden eingeführt, "damit Kolumbianer von klein auf lernen, dass man Konflikte durch Dialog lösen kann, statt mit Gewalt." Als eine wichtige Aufgabe für seinen Amtsnachfolger nannte er, Regionen zu fördern, die über Jahrzehnte durch den Krieg marginalisiert wurden.

In 14 Tagen finden in Kolumbien Präsidentschaftswahlen statt. Santos kann qua Verfassung nicht mehr antreten. Ihm bleiben noch drei Monate im Amt. 

Das Friedensverfahren brauche zwar sehr viel Geduld, sagte er, dennoch gebe es keine Alternative dazu. In seinen verbleibenden Monaten als Präsident möchte Santos die Kolumbianer dazu motivieren, Frieden zu bewahren, auch wenn ihm bewusst sei, dass es sehr viel einfacher ist, Krieg zu führen. Er sei in einem Land aufgewachsen, in dem Gewalt alltäglich gewesen sei. In seiner Zeit als Journalist habe er begriffen, dass "die Bevölkerung allmählich das Mitgefühl verlor." Ihm sei bewusst, dass "das Land keine Zukunft hat, wenn wir diesen Konflikt nicht beenden."

Santos' Fazit: "Friede zu schaffen ist wie eine Kathedrale zu bauen. Man braucht ein solides Fundament, auf das man Ziegel für Ziegel draufsetzen kann."

Foto: katholikentag.de / Benedikt Plesker

Fotos: katholikentag.de / Silja Perterer, Claudia Leimser, Alena Riha, Benedikt Plesker und Katharina Tenberge

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