Bringt nichts mit!

Katholikentag kulinarisch – Folge 1

Katholikentag kulinarisch – Folge 1

Bringt nichts mit!

Diskutieren, entdecken, erfahren, beten. So ein Katholikentag kann ganz schön anstrengend sein. In seiner täglichen Kolumne kümmert sich Peter Hummel um das leibliche Wohl in Münster.

"Cibi condimentum est fames" ("Der Speise Würze ist der Hunger")

Wer als Allgäuer nach Münster reist, so wie ich, reist im Prinzip von einem Ende der Welt ans andere. Also von den Bergen ins Flachland, von "Grüß Gott" zu "Moin", von Schwarzbrot zu Pumpernickel. Letzteres ist der Name von in Scheiben geschnittenem Torf, jedenfalls schaut es so aus, und schmeckt wie versteinertes Malzbier. Nicht uninteressant, bestimmt auch gesund, aber eben für eine Leberkässemmel ungeeignet, weil sich das Brot beim Hineinbeißen in einzelne Getreitekörner zerteilt.

An Pumpernickel werden sich die Besucher des Katholikentages jedoch gewöhnen müssen, denn dieses luftleere Vollkornbrot ist in Münster allgegenwärtig. Gestern Abend im Restaurant "Altes Gasthaus Leve" sogar über dem Quarkdessert, wo es, leicht karamelisiert, so aussah wie Zartbitterschokolade, aber natürlich mit Schokolade so wenig zu tun hatte wie Westfälisches Krüstchen mit Allgäuer Krustenbraten. Krüstchen ist hier im Norden nicht etwa ein Schweinebauch mit knuspriger Kruste, sondern ein paniertes Schnitzel. Und wenn wir schon dabei sind: Stielmuseintopf ist kein pürierter Besengriff, sondern das Kraut einer in Küstennähe kultivierten Pflanze namens Rübstiel, welches mit Speck und grober Bratwurst zu jener Suppe verarbeitet wird, die an kalten Wintertagen den Münsterländern genügend Kalorien zuführt, um die durchschnittlich 53,6 Frosttage zu überleben. Also so etwas wie Schupfnudeln im Allgäu. 

Ich hatte mir zur Sicherheit ein großes Stück Bergkäse mit zum Katholikentag gebracht, was ich immer mache, wenn ich in die Ferne reise und nicht weiß, ob das Essen der Einheimischen für Allgäuer Gaumen verträglich ist. In der Antarktis war das meine Rettung und in Nordkorea ein Segen. Falls Sie nach Münster reisen, können Sie die Notfallverpflegung allerdings zu Hause lassen, denn man kommt hier durch. Sehr gut sogar, zumal in den örtlichen Gasthäusern grundsätzlich keine Schonkost serviert wird. Was dort auf die Teller kommt ist wurstig, fleischig, rustikal, herzhaft und, ja, ich geb’s zu: der Allgäuer Küche ganz ähnlich. Kässpatzen können sie zwar nicht, aber das ist ja auch nicht schlimm, denn wir im Süden können auch keine luftgetrockneten Mettenden, weil wir eigentlich immer auch die Mittelstücke der Wurst essen.

Morgen geht’s an dieser Stelle um Bier aus Münster, das nicht an Sonn- und Feiertagen ausgeschenkt wird. Oder: "Bibant in poenitentiam" ("Sie sollen es zur Buße trinken")

Peter Hummel ist Mitarbeiter in der Multimediaredaktion des Katholikentags, Studienleiter an der Katholischen Journalistenschule ifp (www.journalistenschule-ifp.de) und Ressortleiter Genuss beim PLUS-Magazin (www.plus-magazin.de)

Foto: katholikentag.de / Tobias Schierle

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