Müntefering: Palliativbewegung die beste Volksbewegung

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Für den früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering ist die Palliativbewegung "die schönste Volksbewegung". Die Palliativmedizin, deren Ziel nicht Heilung, sondern bestmögliche Lebensqualität für sterbenskranke Menschen ist, sei die "beste Sterbehilfe" die es gibt, sagte er am Samstag.

Die eigenen Erfahrungen mit der Begleitung Sterbender habe zudem seine Einstellung zum Sterben verändert. Früher habe er sich gewünscht, "eines Tages tot umzufallen". Heute würde er ein Sterben in einem Hospiz oder betreut durch einen ambulanten Palliativdienst vielleicht vorziehen.

"Helfen und sich helfen lassen, ist menschlich", verdeutlichte Müntefering, der auch Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) ist. Nicht alle akzeptierten das. Es müsse mehr dafür getan werden, dass sich in diesem Punkt die öffentliche Meinung ändere. "Hilflosigkeit ist ein Teil des Lebens." Der SPD-Politiker war 2007 als Bundesminister und Vizekanzler zurückgetreten, um sich seiner krebskranken Frau bis zu ihrem Tod 2008 zu widmen.

"Alt werden und sein, ist anders, als jung sein", so Müntefering. Aber das Alter habe seinen "eigenen Charme". Der 76-Jährige warb in Leipzig für sein "LLL"-Konzept aus Laufen, Lernen und Lachen. Um fit zu bleiben, brauche der Mensch Bewegung - und zwar für Körper und Geist - und er brauche die Begegnung mit anderen Menschen gegen die Einsamkeit und das Gefühl, keinen Lebenssinn mehr zu haben.

Behrens: Stationäre Palliativmedizin nicht vergessen

Die Münchner Palliativmedizinerin Gloria Behrens warnte vor einer Fokussierung auf die ambulante Palliativmedizin zulasten der stationären. In vielen Fällen sei bei der Pflege Sterbender allein der Ehepartner zu Hause. Der müsse dann in der Zeit zwischen den Besuchen der Palliativ-Teams die Pflege managen. Oftmals seien aber diese Ehepartner selbst alt, manchmal auch pflegebedürftig und schlicht überfordert.

"Wir müssen auch die Pflegenden schützen", so die in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin organisierte Ärztin. Manchmal sei das Hospiz die bessere Alternative. Im beschriebenen Fall könne der Ehepartner dann wieder aus der Rolle des Pflegenden in die des Lebensbegleiters "in guten wie in schlechten Tagen" zurückkehren.

jsw/cas

Bild: Dirk Vorderstraße / CC-BY 2.0 / bearbeitet

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