ZdK-Präsident Sternberg verteidigt Nichtbeteiligung der AfD

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Zum Einsatz für eine offene und menschenfreundliche Gesellschaft hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, aufgerufen. Zum Auftakt des 100. Deutschen Katholikentages appellierte er am Mittwoch in Leipzig an die Christen, auf die Globalisierung nicht mit Angst und Abschottung, sondern mit Dialog und Engagement zu reagieren.

Sternberg verteidigte erneut, dass führende AfD-Politiker nicht zu den Podien des Katholikentags eingeladen wurden. Angesichts der vielfach menschenverachtenden Thesen des AfD-Führungspersonals sei eine sachliche inhaltliche Auseinandersetzung nicht möglich. Das zeigten auch die Erfahrungen, die der Zentralrat der Muslime mit führenden AfD-Politikern gemacht habe.

"Nicht zuletzt die Flüchtlingsströme zeigen uns: Die Eine Welt ist bei uns angekommen", sagte der ZdK-Präsident vor Journalisten. Auch angesichts der Globalisierung von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur sollten Christen darauf drängen, dass "der Mensch ganz neu in den Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen und politischen Planens und Handelns gerückt werden muss". Christen verfügten dabei über einen guten Kompass.

Sternberg wandte sich "gegen die Unheilspropheten unserer Zeit",  die die aktuellen Herausforderungen abwehren und nicht wahrnehmen wollten, sondern mit Abschottung reagierten. "Wir sagen ja zu einer veränderten Gesellschaft", betonte er.

Der ZdK-Präsident bezeichnete die Auswahl der diesjährigen Katholikentagsstadt Leipzig als einen Glücksgriff. Die Stadt sei weltoffen und gastfreundlich; das von Pegida und anderen Rechtspopulisten verursachte negative Image sei ungerecht. Sachsen sei zugleich eine der am stärksten entchristlichten Regionen Europas und damit ein wichtiger Lernort  für Christen. "Wir können nicht die Augen davor verschließen, dass wir hier eine religiöse Situation vorfinden, auf die wir uns auch im Rest des Landes zubewegen", fügte er hinzu. Der Katholikentag ermögliche deshalb einen Perspektivwechsel, der Christen zum Dialog mit Nichtglaubenden und Andersglaubenden ermuntere.

Ausdrücklich appellierte Sternberg an die nicht-christlich geprägte Bevölkerung in Leipzig, sich einzumischen und an den rund 1.000 Veranstaltungen des Christentreffens teilzunehmen. Das könne auf beiden Seiten zu "heilsamer Verunsicherung" führen. Zugleich dankte der ZdK-Präsident den evangelischen Christen, die sich "im Mutterland der Reformation" aktiv am Katholikentag beteiligten und zur Unterstützung bereit seien.

Auch der Diözesanadministrator des gastgebenden Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke, verwies auf die Minderheitensituation für Katholiken in Ostdeutschland. "Katholische Kirche in Ostdeutschland leistet Pionierarbeit, wenn es um zukünftige Entwicklungen der Kirche geht", sagte er. Die Christen der Region müssten eine Antwort auf die Frage finden, wie sie auf eine extrem plurale und religionslose Gesellschaft reagieren sollten; sie müssten ihre Hoffnungen, Werte und Orientierungen offensiv darstellen - und das in einer für Nichtchristen verständlichen Sprache. "Wir wollen hier als Kirche schlicht und ohne Prunk sein, aber ganz nah dran an den Menschen und offen für Begegnungen."

cas/has

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