Fall Böhmermann: "Satire ist kein gefährliches Problem"

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Was darf Satire? Seit dem Schmähgedicht von TV-Moderator Jan Böhmermann ist das eine heiß diskutierte Frage - auch auf dem Katholikentag. Dabei gab es Unterstützung für die Satire von Medienexperten aus Gesellschaft und Kirche, wenn auch mit Einschränkungen.

Satire sei ein Teil der Lösung und müsse stattfinden, sagte der Bonner Medienrechtler Gernot Lehr in Leipzig. Sie dürfe jedoch nicht dazu führen, dass Menschen verunglimpft werden, ohne dass sie in einen Kontext gestellt werden. Der Zuschauer müsse erkennen, dass in der Satire überzeichnet wird, betonte Lehr. "Satire ist kein gefährliches Problem der Berichterstattung."

Der Passauer Bischof Stefan Oster sagte, dass es auch Satire gegenüber der Kirche brauche. "Wir sind Angriffen ausgesetzt und dürfen nicht einfach zurückschlagen." Dennoch beobachte er, dass die klassischen Medien wie Zeitungen und Fernsehen "immer mehr emotionalisieren als berichten". Den Grund für Hetze im Internet sieht Oster in einer fehlender Anerkennung: "Wer sich nicht geliebt weiß, der sucht Anerkennung." Wenn Liebe in der Gesellschaft fehle, bräuchten viele Menschen als Ersatz Aufmerksamkeit - "ob positiv oder negativ".

Auch ZDF-Chefredakteur Peter Frey ist dieser Meinung: Es gebe ein neues Phänomen der "Aufmerksamkeitsökonomie". "Ich bin erstaunt darüber, was Menschen alles preisgeben, um Aufmerksamkeit zu erlangen", so Frey. Zudem habe in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Jahren eine Verrohung des Klimas stattgefunden. Das wirke sich auf die öffentliche Debatte aus: "Viele leiden unter diesen Angriffen und dann wird das Leben sehr schwierig."

Satire sei dann in Ordnung, wenn sie sich mit Personen befasst, die ein Amt begleiten, verteidigte Frey etwa den Beitrag des ZDF-Satirikers Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Grenze zwischen Amtsinhabern und "normalen Menschen" sei jedoch oft schwer zu vermitteln. Zugleich habe ein Teil der Gesellschaft das Vertrauen in die Medien verloren: "Ich fürchte, dass wir Themen, die Menschen im unteren Drittel der Gesellschaft betreffen, in den letzten Jahren zu wenig behandelt haben."

sdk/cas

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