„Wir wollen Leipzig noch grüner machen“ – Eine Fahrrad-Entdeckungsreise

Reportage

Öko ist out? Nicht für den Verein „Ökolöwe“. Mit einer etwas anderen Stadtführung zeigt er Orte, die wohl bisher die wenigsten Leipziger kennen. Und das Ganze natürlich – „voll öko“ – mit dem Fahrrad.

Von Magdalena Graf und Benjamin Kutz

14 Uhr am Willy-Brand-Platz. Es nieselt. Neben 20 Fahrrädern erwarten uns auch Antonia und Henrike vom Verein „Ökolöwe“. Sie wurden für das Projekt BiodiverCity – Artenvielfalt in der Stadt angestellt. „Wir wollen den Besuchern des Katholikentags und natürlich den Schülern zeigen, welche Projekte auch mitten in der Großstadt möglich sind und damit Leipzig noch grüner machen“, erzählt Henrike. Fast zehn Leute haben sich zur Radtour eingefunden, bereit, eine ganz neue Seite vom Katholikentag und von Leipzig kennenzulernen. „So habe ich mein Leipzig noch nicht gesehen und dabei wohne ich schon 40 Jahre hier“, wird ein Teilnehmer später sagen.

Wir radeln durch den Johanna-Park zur Helmholtz-Schule. Zehn Schüler der vierten Klasse berichten dort stolz von ihrem mobilen Hochbeet-Projekt. Sie laufen aufgeregt von Beet zu Beet und zeigen den Zuschauern, wie die Kästen gebaut sind. Drei Projekttage haben sie dafür gebraucht. Einen halben Meter über dem Boden wachsen jetzt Zitronenmelisse, Knoblauch, Schnittlauch und Petersilie. Wer sie nicht auf Anhieb erkennt, kann auf bunt bemalten Steinen, die das Beet zieren, die Namen nachlesen. Das angebaute Gemüse wird später im Hauswirtschaftsunterricht zum Kochen verwendet. „Regionaler geht’s nicht“, wirbt der Klassenlehrer für die Aktion.

Nächste Station ist dann die Apollonia-von-Wiedebach-Schule, wo die Schüler der neunten Klasse ein Insektenhotel für den Schulhof gebaut haben. Die Jugendlichen fordern uns auf, doch mal näher heranzutreten und zu lauschen. Und tatsächlich: Mit dem Ohr am Kasten sind neben den spielenden Kindern auf dem Schulhof die Bewohner des Hotels deutlich zu hören. Zwischen Laub, kleinen Ästen und Stroh haben es sich die ersten Insekten gemütlich gemacht. „Aber noch ist genug Platz für viele andere Tiere. Im Sommer kommen hoffentlich noch mehr“, wünschen sich die Jugendlichen.

Als der Regen immer stärker wird, fahren wir zurück in die Innenstadt. Mit im Gepäck: die Erkenntnis, dass es gar nicht so kompliziert ist, etwas für die Artenvielfalt in der Stadt zu tun.

 

 

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