Glücklich ohne Gott?

Zitate

Leben ohne einen Anflug von Religion - geht das? In Leipzig gibt es weniger als 5 Prozent Katholiken. Kein Wunder, dass diese Frage beim 100. Katholikentag eine wichtige Rolle spielt. Ein Antwortversuch in Zitaten von der Podiumsdiskussion "Ich glaub' nichts, mir fehlt nichts".

von Sofia Dreisbach und Vanessa Egger

Stephan Dreyer, ehemaliger Leiter des Ökumenischen Forums HafenCity in Hamburg

"Ich glaube es wäre eine Hybris, zu meinen, dass das, was die Gesellschaft zusammenhält und was unsere Kultur ausmacht, am Ende alles irgendwie religiös ist. Das ist nicht so. Ich glaube auch nicht, dass man als Mensch nur leben kann, wenn man religiös ist."

Stefanie Hammer, Politikwissenschaftlerin, Erfurt 

"Glaube ist mir nicht egal, ich erlebe ihn auch bei anderen als wichtig, aber erlebe ihn selbst nicht."

Bodo Ramelow, Ministerpräsident Thüringen (Linke)

"Ich bin evangelisch groß geworden. Meine Kirche hat mich mein Leben lang begleitet."

"Über eine Million Menschen sind in Deutschland dazugekommen. Es ist zum ersten Mal eine Herausforderung an Ost und West und Nord und Süd, evangelisch, katholisch, muslimisch, jüdisch oder Atheisten, ganz egal, es ist unsere Herausforderung und an der können wir gemeinsam wachsen."

Ute Gerhardt, evangelische Pfarrerin, Weltanschauungs- und Sektenbeauftragte, Leipzig

"Wenn ich etwas erzwinge, dann geht es um Rechthaberei und nicht mehr um Glauben."

"Wenn man den Leuten, die sagen, dass ihnen ohne Religiösität nichts fehlt, immer nur sagt, dass ihnen doch etwas fehlt, wird das nichts. Man muss ihnen mit Respekt begegnen. Ich versuche ja auch nicht, den Muslim davon zu überzeugen, dass sein Glaube falsch ist, wenn ich mit ihm ins Gespräch gehe. Und genau das gleiche muss eben auch passieren im Kontakt mit Menschen, die der Meinung sind, es geht genauso gut auch ohne Gott."

Eberhard Tiefensee, Religionsphilosoph, Erfurt 

"Man braucht zum Leben Wasser und Luft und Nahrung, etwas Anzuziehen, ein Dach über dem Kopf, soziale Kontakte, und noch einiges mehr, aber Religion, Christentum? Es geht inzwischen auch ohne diese Kirchen als Werte-Agenturen."

"Ob wir sie brauchen oder nicht, Religion ist einfach da und deswegen müssen wir uns irgendwie zu ihr verhalten. Fazit: Wir sind alle sowohl christlich als auch atheistisch. Keiner ist davon wirklich rein und wenn man einmal das Spiel anfangen würde, den jeweils anderen Anteil herauszufiltern, zu eliminieren, nach der Devise: Da fehlt mir dann nichts, da würde die kulturellen Verluste wahrscheinlich enorm sein." 

Ulrich Lieb, Seelsorgeamtsleiter i.R., Magdeburg

"Wenn wir doch mal eine Sprache sprächen, die jeder versteht. Das Kirchen-Chinesisch kann doch kein Mensch verstehen, das ist doch abschreckend."

 

Wie gläubig ist Deutschland? Das sagen die Zahlen:

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