Overbeck: Christliche Friedensethik ist visionär und realistisch

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Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat die christliche Friedensethik als "visionär und realistisch" bezeichnet. Sie halte unter genauen Bedingungen an einem staatlichen Verteidigungsrecht ebenso fest wie auch am Einsatz militärischer Mittel in Folge einer verantworteten Sicherheitspolitik, sagte der Essener Bischof am Freitag beim Gottesdienst in der General-Olbricht-Kaserne beim 100. Katholikentag in Leipzig.

Letzteres komme aber nur in Frage, wenn ein solcher Einsatz das geringere von zwei nicht vermeidbaren Übeln sei. Denn grundsätzlich gelte gemäß dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), dass Gewaltanwendung nur das äußerste Mittel sei, wenn alle diplomatischen Möglichkeiten friedlicher Konfliktregelung erschöpft seien. 

Von hier aus zeichne sich das Bild eines von der Verantwortung für den gerechten Frieden bestimmten Soldaten, der einen kritischen Gehorsam lebe und sich seiner unhintergehbaren Verantwortung für sein Tun bewusst sei, betonte Overbeck. Nur so könnten Soldaten "Diener der Freiheit und Sicherheit der Völker" sein. Ein solches Ethos sei ein hohes Gut. Nötig seien aber auch internationale Institutionen zum Schutz nicht nur Einzelner, sondern ganzer gesellschaftlicher Gruppen, die durch eine wirksame internationale Rechtsordnung sichergestellt werde.

Frieden sei eine der zentralen Kategorien der biblischen und der kirchlichen Verkündigung, betonte der Bischof. Das Streben nach einem solchen Frieden müsse alles Handeln der Christen in Kirche, Gesellschaft und Politik leiten. Frieden müsse jedoch, wie die Geschichte lehre, immer wieder neu erarbeitet werden. Zugleich verwies Overbeck auf neue Realitäten von Gewalt, die etwa durch Cyberkriege als eine konkrete Bedrohung und "als eine leise Gefahr zugleich auf uns zukommen". Dahinter stehe die Ahnung einer völlig neuen Dimension von Gewalt, die die Welt in bisher unbekannter Weise bedrohen könnte. 

Dadurch ergäben sich strategische Prioritäten, aber vor allem auch "ganz neue Gestaltungsfelder deutscher Sicherheitspolitik", für die sich die Bundeswehr künftig gut aufstelle müsse, betonte Overbeck. Gerade die Militärseelsorge sei dabei gefordert, reflektierte ethische Prinzipien zur Verfügung zu stellen. Der Militärbischof erinnerte daran, dass der Frieden "ein zerbrechliches Gut" sei und der Freiheit des Menschen überantwortet bleibe. Je komplexer die Welt und die Herausforderungen der Bundeswehr würden, umso mehr seien die Soldatinnen und Soldaten sowie alle Verantwortungsträger gefordert, dem Nachdenken über die Normativität ihres Handelns genügend Raum zu gewähren. 

baj/cas; Bild: Bistum Essen

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