Wachsende Sehnsucht nach Ritualen

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Die Welt wird immer hektischer, anonymer, globaler. Die Menschen gehen unterschiedlich damit um. Benediktinermönch Anselm Grün sieht in Ritualen eine Chance, darauf zu reagieren.

Eine wachsende Sehnsucht nach Ritualen in der Gesellschaft registriert der Bestsellerautor und Benediktinermönch Anselm Grün. Die Menschen wollten sich zugehörig fühlen, in der Anonymität der Welt zu echten Beziehungen finden und endlich auch mal Gefühle zeigen können, sagte der Mönch der Abtei Münsterschwarzach am Freitag auf dem Katholikentag in Leipzig. Deshalb entdeckten viele Menschen Rituale für sich, die eigene Familie oder den Freundeskreis neu. Das reiche von der Beliebtheit von Kerzen über Familientreffen bis hin zum gemeinsamen Fußball-Schauen.

In einer immer hektischeren Arbeitswelt könnten Rituale dazu beitragen, dass Menschen zu sich selber kämen, fügte der Ordensmann hinzu. "Wenn wir immer nur Erwartungen erfüllen, werden wir bitter. Rituale schaffen eine heilige Zeit, über die niemand verfügen kann außer wir selber."

Grün räumte ein, dass kirchliche Rituale demgegenüber bisweilen kritisch bewertet würden. Der Sinn von Sakramenten, Gottesdiensten und religiösen Zeichen werde vielfach nicht mehr verstanden oder als langweilig empfunden. "Wir sollten als Kirche die Sehnsucht der Menschen nach Ritualen ansprechen, nicht indem wir die Rituale neu erfinden, sondern indem wir sie so vollziehen, dass die Menschen sich angerührt fühlen", forderte der Benediktiner. Rituale müssten außerdem neu erklärt werden. Zugleich sollten Christen Phantasie entwickeln, um neue Rituale zu schaffen. Rituale seien eine Chance, "unser Leben als Christen in einer entchristlichten Welt zu leben".

cas/baj

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