Religionsphilosoph Halik: Glaube ist keine Ideologie, sondern ein Weg

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Der Prager Religionssoziologe Tomas Halik sieht in der Anfechtung durch Atheismus und Religionskritik eine Chance für den Glauben.

"Ein bestimmter kritischer Atheismus hilft paradoxerweise, Hindernisse auf dem Glaubensweg zu überwinden", sagte er am Donnerstag auf dem Katholikentag in Leipzig. Glaube sei keine Ideologie, sondern ein "nicht endender Weg". Zu glauben bedeute nicht, "sich auf Pfeiler von Sicherheiten stützen zu können, sondern in die Wolke des Geheimnisses einzutreten und die Herausforderung anzunehmen", fügte er hinzu.

Auf einem lebendigen Glaubensweg gebe es auch "dunkle Nächte"; sie könnten Stationen des Übergangs von religiösen Illusionen zur geistigen Reife sein. Es gebe tiefe geistliche Erfahrungen, die Atheisten und Gläubige teilen könnten: "Man könnte sie als Gottes Schweigen, Gottes Abwesenheit oder Tod Gottes bezeichnen." 

Zum Glauben durchgezweifelt

Halik erläuterte, es gebe viele Arten von Atheismus, so wie auch es viele Arten zu glauben geben. Der Mensch müsse sich entscheiden. "Wenn ich in einer einfachen und eindeutigen Welt leben würde, die nur eine einzige Interpretation zuließe, würde ich mich in ihr ohne Zweifel langweilen." Von sich selber sagte der Religionssoziologe, er habe sich "am Ende eines langen und verschlungenen Weges zum christlichen Glauben durchgezweifelt".

Der Soziologe und Priester Tomas Halik (67) zählt zu den bekanntesten Intellektuellen der Tschechischen Republik. Er genießt in der atheistisch geprägten tschechischen Gesellschaft hohes Ansehen. Als Professor an der renommierten Prager Karls-Universität und Vertrauter des verstorbenen Staatspräsidenten Vaclav Havel nimmt er regelmäßig zu politischen und ethischen Fragen Stellung. Vor allem ermutigt er die Tschechen zu mehr gesellschaftlicher und politischer Mitbestimmung und einer ernsthaften Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit. Zudem setzt er sich seit langem für den weltweiten Dialog zwischen den Religionen und für die deutsch-tschechische Aussöhnung ein. Vor zwei Jahren wurde er mit dem Templeton-Preis für besondere Leistungen im Bereich von Wissenschaft und Religion ausgezeichnet, landläufig auch "Nobelpreis für Religion" genannt. Zeitweilig lebte Halik in einem buddhistischen Kloster in Indien und hielt Vorträge in den USA.

cas

Bild: Frydolin (CC-BY 3.0)

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