Erzbischof Koch: Wagen Sie, mit Gott zu leben

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Gott als belastbarer Partner: sich sich ihm einmal auszusetzen, dazu hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch in seiner Predigt zum Frohenleichnamsfest die Menschen auf dem Augustusplatz aufgerufen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat den Gläubigen und auch jenen, die keine Beziehung zur Religion haben, Mut gemacht, sich auf Gott einzulassen: "Wagen Sie es doch einmal, mit diesem Gott zu leben." Beziehung zu Gott könne nicht zuerst erlebt, sie wolle zuerst gelebt werden. In seiner Predigt beim Leipziger Katholikentag anlässlich des Fronleichnamsfestes auf dem Augustusplatz vor rund 15.000 Menschen rief er dazu auf, sich von Gottes Solidarität neu überraschen zu lassen. "Muten Sie sich Gott in ihrem Hunger und der Sehnsucht zu." Wer Gott mit seinem Vertrauen belaste, dessen Last trage Gott.

Besonders sprach sich der Erzbischof für den Einsatz zugunsten Ungeborener und Sterbender aus. Außerdem sollte die Nähe zu Suchenden, Heimatlosen und Flüchtlingen gesucht werden. "Kämpfen wir an unseren Orten und zu unserer Zeit für das Leben der Menschen. Kämpfen wir um der Menschen wie um Gottes willen."

Ausgehend vom Katholikentagsmotto "Seht, da ist der Mensch" betonte Koch, auch im Glauben gebe es angesichts herausfordernder menschlicher Lebenssituationen niemals fertige Lösungen. "Wer sich auf Gott einlässt, wird suchen und mit Gott immer neue Lernerfahrungen machen." Grundvoraussetzung eines christlichen Sehens sei aber die Bereitschaft, ihn und die Menschen immer neu kennen zu lernen und dann zu handeln.

Auf dem Platz vor der Oper drückten Menschen passend zu dieser Sicht auf andere und dem Hunger nach mehr das aus, was ihnen in Deutschland und weltweit fehlt. Eine Mutter berichtete von Sorgen um das vor dem Monatsende aufgebrauchte Familien-Einkommen, Flüchtlinge aus Syrien formulierten "Wo finden wir Frieden". Andere benannten Sehnsucht nach Kultur und Musik als dem "Mehr" als das tägliche Brot, eine Abiturientin nach guter Bildung und weiterführenden beruflichen Erfahrungen.

Mit der Kollekte wurde der Leipziger Verein Straßenkinder unterstützt, der solch junge Menschen in der Schule, bei der Suche nach Praktikumsplätzen und der Berufswahl sowie bei Arztbesuchen oder der Wohnraumbeschaffung hilft.

uwl/baj

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