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Katholikentag

Mannheim 16.-20. Mai 2012

Die Kirche muss über sich selbst lachen können

Karnevalist Willibert Pauels im Gespräch 

In der fünften Jahreszeit ist in Köln alles anders - und ein Diakon tauscht den Talar gegen die Pappnas und geht in Bütt. Willibert Pauels (57), dem jecken Fernsehzuschauer besser bekannt als "Ne bergische Jung", ist heute hauptberuflicher Kabarettist und Büttenredner. Bis 2006 war er hauptamtlicher Diakon im Erzbistum Köln. Zehn Jahre zuvor wurde er für den Kölner Karneval als Büttenredner entdeckt, auch wenn schon 1975 in seiner Heimatstadt Wipperfürth zum ersten Mal auf der Bühne stand. Heute nennt er sich selbst "hauptberuflicher DiaClown mit Nebenberuf Diakon". Mit ihm sprachen wir über Kirche und Karneval und seinen Auftritt beim Katholikentag in Mannheim.

katholikentag.de: Kann Karneval ein Aufbruch sein?

Willibert Pauels: Franz von Sales hat einmal gesagt, dass der Geist der Freude der wahre Geist des christlichen Lebens ist. Freude ist das Gegenteil von Schwermut. Es heißt ja auch: "Lass den Kopf nicht hängen". Und die ganze Welt reißt beim Feiern die Hände hoch und niemand würde bei einem Tor seiner Fußballmannschaft vor Freude die Hände nach unten recken. Dieser Jubel ist der Geist der Freunde. Beim Karneval gibt es diese Freude auch. Nicht nur, wenn man das Lied "Die Hände zum Himmel" singt. Diese Freude kann die Menschen bestärken aufzubrechen und dem Licht entgegen zu gehen. Diese Freude ist ein Aufbruch!

katholikentag.de: Ist die Karnevalszeit für Sie persönlich auch eine Zeit des Aufbruchs?

Willibert Pauels: Für mich ist das die größte Belastung, die härteste Zeit des Jahres. Und das nicht nur an den "Tollen Tagen", sondern schon lange davor bei den großen Karnevalssitzungen. Das andere ist aber die Freude der Menschen bei solchen Veranstaltungen - das ist der wirkliche Aufbruch zum Himmel. Und da kann ich vielleicht helfen.

katholikentag.de: Karneval und Kirche passen also gut zusammen?

Willibert Pauels: Historisch passt das auf jeden Fall zusammen. Die Begriffe Karneval, Fastnacht und Fasching leiten sich alle vom kirchlichen Kalender ab: Es ist die Zeit vor dem Fasten, auf Latein heißt das "carne levare". Aber auch heute passt es immer noch zusammen. Religion ist schließlich nicht nur eine Moralinstitution, sondern das innerste Wesen der Religion ist es, Trost zu spenden. Es ist die Zusage, dass der Mensch mehr ist als ein biochemisch reagierender Zellhaufen. Diese naturwissenschaftliche Erklärung reicht oft nicht. Und dann kommt der Humor dazu: Die besten Witze entstehen dort, wo es dunkel ist. Der Humor setzt einer Diktatur das Lachen entgegen und so setzt der Karneval dem Leid das Lachen entgegen.

katholikentag.de: Es gibt also kein Thema, über das man nicht auch lachen darf?

Willibert Pauels: Das muss man immer wieder individuell entscheiden. Aber eine Sache ist klar: Niemals einen Menschen demütigen! Wenn die Würde des Menschen in den Dreck gezogen wird, dann ist die Tabu-Zone erreicht. Sonst gibt es aber keine Verbote.

katholikentag.de: Kann die Kirche auch über sich selbst lachen?

Willibert Pauels: Die Kirche muss über sich selbst lachen können, sonst wird sie fundamentalistisch und ist nicht mehr christlich. Nur Ideologen können nicht über sich selbst lachen.

katholikentag.de: Wo entstehen denn ihre besten Witze? Auch in der Kirche?

Willibert Pauels: Die besten Ideen kommen, wenn man Menschen begegnet. Da ist es egal, ob das in der Kirche oder sonst wo.

katholikentag.de: Sie treten auch beim Katholikentag auf. Worauf Sie sich?

Willibert Pauels: Der große Unterschied zwischen dem Karneval und dem Katholikentag ist, dass beim Katholikentag die Menschen wegen des Angebots kommen. Sie suchen die Veranstaltungen aus dem Programmheft aus. Das macht es einfacher. Beim Karneval bin ich einer von vielen Programmpunkten und wenn ich Pech habe, bekommen die Menschen gar nicht mit, was auf der Bühne passiert. Das ist für uns Redner dann sehr anstrengend. Beim Katholikentag ist es anders und ich freue mich wirklich auf die Menschen, die dort kommen und hoffentlich großen Hunger und Durst auf Lachen haben!

Interview: Benedikt Plesker
Bild: Michael Schopps

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