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Katholikentag

Mannheim 16.-20. Mai 2012

Das Interesse an biblischen Texten ist groß

Rektor Stefan-Bernhard Eirich im Gespräch

Biblische Impulse gehören fest zum Programm der Katholikentage. Die für Mannheim ausgewählten Bibelstellen hat jetzt die Katholikentagsleitung festgelegt. Vorgeschlagen hat sie der Rektor im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Stefan-Bernhard Eirich. Im Interview berichtet der Geistliche von seinen Auswahlkriterien und seinen Hoffnungen für den Katholikentag 2012.

katholikentag.de: Die ausgesuchten Bibelstellen haben alle etwas mit Aufbruch, dem Motto des Katholikentags, zu tun. Aufbrechen heißt ja, offen sein für etwas Neues, Unbekanntes, sich auf ein Wagnis einlassen. Was erhoffen Sie sich vom Katholikentag hinsichtlich des Mottos?

Eirich: Etwas Neues ist das Mindeste, was zu einem wirklichen Aufbruch gehört. Dazu  zählt auch, dass man unwiderruflich Dinge hinter sich lässt, die einen am Weiterkommen und der Weiterentwicklung hemmen. Ein richtiger Aufbruch hat mit vollem Risiko zu tun, ist ergebnisoffen und er kann mit Schmerz verbunden sein. Ich habe bei der Vorauswahl der Bibelstellen bewusst darauf geachtet, dass wir nicht die üblichen Euphorie verursachenden Passagen aus der Heiligen Schrift genommen haben, die schon ein dutzendmal entsprechend bedacht wurden. Es geht hier um solche Stellen, die die Aufbrechenden in großen Schwierigkeiten zeigen, aber auch in Phasen der Stagnation antreffen, oder in Situationen, in denen sie sich verrannt haben. Denn Aufbruch kann auch heißen, eine Sackgasse, in der man sich befindet, zu erkennen und umzudrehen.

katholikentag.de: Warum halten auch Prominente die Impulse? Die Impulsgeber sollten ja einen Bezug zum christlichen Glauben haben ...

Eirich: Das stimmt. Ich finde, Prominente sollten ruhig einmal etwas über ihren Glauben sagen. Es gehört aber genauso zu unseren Auswahlkriterien, dass die Menschen, die wir anfragen, schon im Laufe ihrer Biografie einen guten Bezug zur Heiligen Schrift gezeigt haben. Beim evangelischen Kirchentag in Dresden kamen, auch ohne prominente Bibelausleger, bis zu 400 Menschen. Zuletzt hat sich beim Katholikentag in Osnabrück gezeigt, dass das Interesse an der Erschließung von biblischen Texten auch auf katholischer Seite groß ist.

katholikentag.de: Ein Impuls soll auch für Menschen mit einer geistigen Behinderung verständlich sein. Was zeichnet diesen aus?

Eirich: Wir möchten täglich auch eine Bibelauslegung in so genannter leichter Sprache darbieten. Dafür suchen wir entsprechend führende Pädagogen, aber auch nach profilierten Kinderbuchautoren. Es ist ja in der Regel so, dass nur das wirklich gut ist, was man Kindern vermitteln kann, oder Menschen mit einem anderen Fassungsvermögen als dem vermeintlich Normalen. Lange und wissenschaftliche Auslegungen kann jeder erbringen.

katholikentag.de: Was wünschen Sie sich vom Mannheimer Katholikentag?

Eirich: Ich verbinde damit eine große Hoffnung,  dass sich sowohl Einzelne als auch Gruppen an der Basis eine entsprechende Überlebensration für ihren Glauben und ihr Wirken in und mit der Kirche mitnehmen können. Es ist das Mindeste, dass Menschen eine Bekräftigung auf ihrem Weg erfahren. Gerade in den Gemeinden gibt es sehr mutige Leute, die versuchen, mit den neuen Seelsorgeräumen zurecht zu kommen. Die möchte ich bekräftigt wissen.

katholikentag.de: Mannheim ist mit Einwohnern aus 175 Nationen ja sehr multikulturell und hat mit der jüdischen Gemeinde und den Moscheen auch alle abrahamitischen Religionen beheimatet. Was können wir Christen denn für den interreligiösen Dialog bewirken?

Eirich: Sehr viel. Da ist Mannheim für uns wie kaum bisher ein zweiter Ort ein großes  Feld, wo sich beide entsprechenden Gesprächskreise im ZdK in die Katholikentags-Arbeitskreise hinein ganz und gar entfalten können. Wir können einen Beitrag dazu leisten, dass das Zusammenleben und der Austausch zwischen den großen monotheistischen Religionen der Normalfall ist. Freilich haben wir das auch dem Mannheimer "Forum der Religionen" zu verdanken, das schon vieles angegangen hat und sich auch beim Katholikentag einbringt. So wird es auch jüdisch-christliche und islamisch-christliche Bibelauslegungen geben.

Interview: Bettina Henkelmann, Katholisches Stadtdekanat Mannheim
Bild: Anja Pfeffermann
Dieser Text erscheint in der Ausgabe August 2011 von "Kirche Aktiv", dem Magazin des Katholischen Stadtdekanats Mannheim.

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