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Katholikentag

Mannheim 16.-20. Mai 2012

Kirche & Religion

Leiden in der Welt – ein Beweis für Gottes Nichtexistenz?

Bild: www.pfarrbriefservice.de/ Peter Weidemann

Wenn die Großmutter todkrank wird, ein neu entflammter Krieg etliche Menschenleben fordert oder unerträgliche Ungerechtigkeit herrscht: Das Leiden in der Welt lässt oftmals Gläubige an Gott und sich selbst zweifeln. Die Vorstellungen darüber, wie und ob Leid sich mit dem Glauben an Gott vereinen lässt, gehen weit auseinander. Bei der Podiumsdiskussion "MenschenLeid – Negativitätserfahrungen und die Gottesfrage" auf dem Katholikentag haben Philosophen und ein Theologe am Donnerstag über ihre Ansichten zur Existenz Gottes diskutiert.

 "Das Leiden in der Welt ist ein massiver Einwand, dass es einen allmächtigen Gott gibt", sagt der Philosoph Christoph Türcke. Der Leipziger Professor wendet sich gegen das Argument der Theodizee, das Böse in der Welt sei durch den Mensch hervorgerufen und Gott habe dieses nur zugelassen. Türcke fragt: "Ein Allmächtiger, der Böses zulässt, obwohl er es nicht will und der für alles auf der Welt verantwortlich ist außer für das Leid?" Er selbst verneine diese Vorstellung. Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet widerspricht der klassischen Theodizee ebenfalls. Seiner Ansicht nach ist es zwar notwendig, an Gottes Existenz festzuhalten. Allerdings seien Gottes Hände nicht in Unschuld zu waschen, unterstreicht der Theologe. "Das Leid dem Menschen zuzuschreiben ist eine Tyrannei von Theologen, die immer nur Gott von seiner Schuld am Leid freisprechen", bekräftigt Striet.

Allmacht, Allwissenheit und Allgüte

Auch die Frage nach den Prädikaten der Allmacht, Allwissenheit und Allgüte sorgte für Diskussion. Der Religionskritiker Bernulf Kanitscheider hält diese Gott zugeschriebenen Eigenschaften für widersprüchlich. "Man muss starke Zweifel haben, ob sie miteinander kompatibel sind", sagt der Naturphilosoph. Theologe Magnus Striet sieht zumindest die Allwissenheit Gottes kritisch: "Wenn Gott allwissend ist, muss er die Welt vollkommen determiniert haben." Diese Vorbestimmung wiederum hebe die Freiheit der Menschen auf. Für ihn bedeutet Allmacht somit nicht automatisch Allwissenheit.

Seinen Glauben wegen des Leids und der Ungerechtigkeit komplett zu verlieren, hält Christoph Türcke für unwahrscheinlich. "Wir werden nie zu 100 Prozent Atheisten, weil der Wunsch nach dem Ende des Leidens in der Welt auch nie aufhört", argumentiert der Philosoph. Für ihn ist Atheismus daher eine Utopie. Theologe Striet fügt hinzu: "Glaube ist immer ein Hin und Her." Ein Glaube, der nicht durch den Zweifel gegangen sei, so Striet, sei kein Glaube.

Mein Katholikentag

Hier sind die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung. 5.000 Menschen haben Auskunft gegeben. Vielen Dank Ihnen allen für Ihre Unterstützung.

Videoblog: "Alla hopp"

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99. Deutscher Katholikentag
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